Die Aufführung des antiken Theaterstücks "LYSISTRATE" als modernes Musik- und Tanztheater im Prinzregententheater zum 50jährigen Jubiläum des Gymnasiums war ein voller Erfolg. Hier einige Anmerkungen aus Zuschauersicht:

Lysistrate – Eine Schule wagt (und macht) Theater

Zum 50jährigen Jubiläum des Sophie-Scholl-Gymnasiums in München-Schwabing

 Zwei Vorstellungen im Prinzregenten-Theater in München, zweimal ein vollbesetztes Haus.

Die prickelnde Aufregung, die knisternde Spannung – bei der Premiere sowieso, aber auch  bei der zweiten Aufführung und den nicht wenigen Zuschauern, die sich dieses besondere kulturelle Ereignis noch ein zweites Mal gönnten.  Die Begeisterung des Publikums während der Vorstellung äußerte sich in spontanem Szenen-Applaus bei den zahlreichen Höhepunkten der Inszenierung.
Artikuliert wurde die Begeisterung, dieses alle Erwartung übertreffende Staunen, dieses grandiose Erlebnis des „Dabei-sein-Dürfens“ während der Pause und nach der Vorstellung – und beileibe nicht nur beim Premieren-Publikum, das sich erwartungsgemäß überwiegend aus den (nahen) Angehörigen der Darstellerinnen zusammensetzte. Auch die Freunde und Bekannten der Eltern, die entfernteren Verwandten, die gleichaltrigen Freunde der Schülerinnen, überhaupt alle, die der Einladung ins Prinzregenten-Theater gefolgt waren, äußerten sich überschwänglich.  
 
Was war das „Geheimnis“ dieser Inszenierung, was ließ „den Funken überspringen“?
 
Waren es die dramatischen, kraftvollen, lauten Auftritte der Krieger und der Percussion-Group?
Waren es die stillen, leisen, Töne der Erzählerin?
War es die phänomenale sängerische und darstellerische Leistung der Protagonistin
und der anderen Solo-Sängerinnen?

War es der satte, runde Klang mit dem der Schulchor die Zuschauer verzauberte?
Waren es die ausgefeilten, pointierten, z.T. witzigen Texte der Lieder?
War es das göttliche Lehrertheater, sprich die Götter im Olymp, die sich so herrlich unkonventionell gaben?
War es die schauspielerische Leistung der szenischen Darsteller(innen), auch und v.a. in Männerrollen?
Waren es die körperbetonten, ausdrucksstarken Darbietungen des Tanztheaters?
War es die anmutige Himmelsmusik und Choreographie des blaugewandeten Schul-Orchesters?
War es der anrührende Chor der Hortkinder?
War es die Umrahmung mit der immer präsenten Lysistrate-Band (die sich aber nie in den Vordergrund spielte) und dem dezenten aber universellen Bühnenbild? (So universell, das es sowohl als romantischer Sonnenuntergang am Meer, als auch als angedeutete Kriegs-Szenerie interpretierbar ist, und außerdem noch als Begleitmotiv für das Programmheft taugte).
 
Ich denke, es war die Kombination von alledem.
 
Vieles ist zusammengekommen, so dass ein Gesamt-Kunstwerk und ein Kunstgenuss entstanden ist, eine gelungene Kombination aus Musik und Text, Tanz und Theater, Herz und Verstand, aus Laut und Leise, Witz und Nachdenklichkeit, aus Gestern und Heute, Fremden und Eigenen,  aus Ruhe und Sturm, Hass und Liebe, Krieg und Frieden.
Jeder hat vielleicht andere „Gänsehaut-Momente“ erlebt. Ich werde nie vergessen, wie während des Abschlussliedes, nach und nach alle Mitwirkende sich zum Grand Finale auf der Bühne einfinden und der Abschluss-Song -ausgehend von der Antike den Bogen ins Heute spannt- und zum Schluss ALLE Mitwirkende einstimmen in den Refrain, das das Motto für eine moderne Mädchenschule sein könnte:
 
„ Es liegt nicht in den Sternen, es liegt nicht in den Fernen,
…alle Freiheit zur Veränderung liegt in unserer Hand!“

 
Ich bin dankbar für die Tatsache, dass meine Töchter dies mit-erleben durften (die eine auf der Bühne, die andere als Zuschauerin) und wünsche Ihnen und allen Mitwirkenden vor, auf und hinter der Bühne, dass dieser Appell für sie gleichermaßen Erkenntnis und Motivation für die Zukunft ist.
 
Die Person, die das Ganze erst möglich gemacht hat, ist Frau Eva Lücking. Sie hat als Musiklehrerin der Schule nicht nur die Darbietungen der Chöre und des Tanztheaters einstudiert und geleitet; sie war es, die das gesamte Projekt konzipiert, die Szenen- und Song-Texte geschrieben, die Musik dazu komponiert, und Regie geführt hat. Standing  Ovations  und ein gesungenes „Merci“ der Darstellerinnen,  waren Ausdruck einer tief empfunden Dankbarkeit.
Wie Frau Lücking es nach der zweiten Vorstellung ausdrückte, das Gesamtprojekt war wie ein großer Felsblock, aus dem sie mit den verschiedenen Gruppen in jahrelanger Arbeit einen Diamanten heraus geschliffen hat. Und das Prinzregenten-Theater bot in seiner goldenen Jugendstilpracht den stilvollen Rahmen für diesen Diamanten.
 
Hoffen wir, dass der Diamant auch in der DVD-Aufzeichnung „funkelt“; diese wird am Ende des Schuljahres im Sophie-Scholl-Gymnasium erhältlich sein.
 
Brigitte Pangerl
FSSG  5/2005